Mergelgrube Kallenberg

Lage der Mergelgrube am Kallenberg:

 

Luftbild der Mergelgrube am Kallenberg

 

 

 

 

 

 

Mergelgrube Kallenberg 2021

 

Bestätigung der bisherigen Erkenntnisse April 2021:

Neues Gutachten zur Mergelgrube Kallenberg

 

An der oberen Kante des Kallenbergs befindet sich ein großer alter Graben von ca. 700 m Länge, unterschiedlicher Breite und Tiefe. Der Graben ist bis zu ca. 25 m breit und max. 8 m tief.

Der Kallenberger Graben wurde bisher fälschlicherweise als „Hohlweg“ bezeichnet.

 

Was ist richtig?

Da der Kallenberg schon in einer Leonberger Urkunde aus dem Jahr 1350 als Weinbaugebiet bezeichnet ist, lag die Vermutung nahe, dass der Graben im Zusammenhang mit dem ehemaligen  Weinbau entstanden ist. Im Jahr 1590 erstreckten sich  die Kallenberger und Wolfsberger

Weingärten auf 61 Morgen (ca. 20 ha) und wurden bis ins 19. Jahrhundert bewirtschaftet.

 

Durch Vermittlung von Frau Dr. Sabine Rathgeb, der Leiterin des Heimatmuseums, hat der Heimatverein Münchingen e.V. nun eine Bestätigung für o.g. Annahme durch Herrn Reinhard Wolf aus Marbach erhalten. Herr Reinhard Wolf war zuletzt Leiter des Naturschutzreferats beim Regierungspräsidium Stuttgart. Er schreibt:

Bei dem tiefen Graben auf dem Höhenrücken Kallenberg – ich kenne diesen aus eigener Anschauung - handelt es sich in der Tat um eine Mergelgrube.

Man findet derartiges im mittleren Neckarraum häufig oberhalb ehemaliger Weinberglagen. Diese Gräben liegen meist in der geologischen Formation des Gipskeupers, jedoch auch – wie beim Kallenberg - im höheren Keuper, den Unteren Bunten Mergeln.

Der Mergelboden diente als Ersatz für abgespülten Boden, bei der Bepflanzung neuer Rebstöcke, sowie der Zuführung von Mineralien für verbrauchte, „ausgemergelte“ Böden in den Weinbergen, aber auch auf den Feldern.

 

 

 

Erste Erkenntnisse zur Mergelgrube 2017:

Mergelgrube am Kallenberg

 

Durch einen Vortrag von Prof. Dr. Manfred Rösch bei der Eröffnung der Ausstellung

„Vom Korn der frühen Jahre“ im Jahr 2017 sind wir als Mitglieder des Heimatvereins Münchingen e.V. darauf aufmerksam geworden, dass es ich bei dem großen „Kallenberger Graben“ um eine Mergelgrube handelt.

 

Über die Entstehung dieses Grabens gab es zu verschiedenen Zeiten mancherlei Vermutungen und Bezeichnungen, wie „Hohlweg oder Verteidigungsanlage“, die aber bei näherer Betrachtung nicht sinnvoll erscheinen.

Da die Südhänge am Kallenberg und Wolfsberg (heute Holzberg) wichtige Weinbaugebiete waren, erscheint ein Zusammenhang zum Weinbau naheliegend.

Auch an anderen Stellen, an denen sich in früherer Zeit Weinberge befanden, wie Leinfelder Tal, Bocksloch und Schwieberdinger Tal, entstanden damals oberhalb der Weingärten solche Gräben.   olzberg) H Mergel wurde vor allem auch zur Bodenverbesserung im Weinbau, aber auch im Getreideanbau verwendet (sprichwörtlich: ausgemergelte Böden wurden verbessert).

 

Bei dem Kallenberger Graben handelt es sich um eine außergewöhnlich große Anlage

von ca. 700 m Länge, bis zu 25 m Breite und unterschiedlich wechselnder Tiefe von max.

ca. 8 m. Der Graben befindet sich am Kamm des Berges, über den Grundstücken am Südhang. Der vorhandene Boden ist von rot-bräunlicher Farbe.

 

Der Kallenberger Graben entspricht von seiner Lage der ehemaligen Mergelgrube Kotzenloch am Lemberg oberhalb der Stuttgart-Feuerbacher Weinberge. Die dortige Mergelgrube ist für Interessierte in ihrer Bedeutung umfangreich und verständlich beschrieben.

 

Der Heimatverein Münchingen e.V. würde an dem beliebten Spazierweg eine entsprechende Hinweistafel anbringen, sofern für unsere Annahme eine fachkundige Bestätigung zu bekommen ist.

 

Eine Aufwertung als Naturdenkmal würde sicher auch der langfristigen Erhaltung als Schutzgebiet dienen.